Dienstag, 24. November 2009

Die perfekte Gabel (forked looping)

WOC 2007 Long Final Men
Im Paper zu den Trennmethoden wird der gegabelte Looping meines Erachtens zu wenig gewürdigt. Dies u.a. weil dieser nur einmal (WOC 07) angewandt wurde.
WOC 07 Long Final Men, Kartenwechsel zwischen 18 und 19.

Trennmethoden
Das Bahnlegerteam der WOC 07 hat sich offensichtlich etwas überlegt. Einerseits beginnt das Rennen nicht kurz und schwer, sondern eher leicht und mittellang. Dann kommt früh ein langer Riemen(8). Bei 14 geht es in einen Loop, dessen Basis zweifach gegabelt ist. Die erste Gabel weisst einen Unterschied der Idealzeit von 15 Sekunden auf, die zweite einen Unterschied von einer Minute. Die Doppelgabel nimmt damit zwei gemeinsam eintretende Läufer 15, 45, 60 oder 75 Sekunden auseinander. Dann geht es nach einem Kartenwechsel in den Loop rein bevor die Loop-Basis auflösend wieder durchlaufen wird.

Stärken
Das hier angewandte System hat verschiedene Stärken: Die Klumpenbildung wird mit einem leichten Anfang und langen Riemen mit Routenwahlen gehemmt. Dann werden die Läufer, wenn es trotzdem zu Klumpen gekommen ist, gerade soweit auseinander genommen, dass sie wieder selbstständig navigieren müssen. Dieser Zustand wird, im Gegensatz zu den zu kurzen Schmetterlingen, über mehrere längere Posten erhalten. Dann kommt die Auflösung und dann ist bald schon mal fertig. Damit wird wirksam verhindert, dass gebildete Gruppen über längere Zeit zusammen bleiben. Mit vier möglichen Kombinationen der Doppelgabel müssen zwei Läufer 10 Minuten auseinander gestartet sein, um diesselbe Gabel-Kombination zu haben (vgl. Schmetterling: 4 Minuten).
Ein spannender Aspekt des forked Loop ist, dass er bestehende Gruppen gleich an zwei Punkten des Rennverlaufes auseinander nimmt: Zu Beginn der Loop-Basis, sowie am Ende des Loops. Er ersetzt damit elegant gleich zwei Schmetterlinge. Trennt aber dank der eingeführten temporären Ungleichheit wirksamer.

Schwächen
Jede Art Tropfer hat das Problem, dass er 1. nicht funktioniert, wenn der später gestartete Läufer zuerst die längere Gabel-Kombination absolvieren muss und danach relativ schnell wieder zum vorgestarteten Läufer aufschliessen kann. Zweitens nehmen Tropfer zwar Gruppen effizient auseinander, es besteht aber auch die Möglichkeit dass sich darin neue Gruppen bilden (analog zu einem Fehler des Vorläufers).
Durch geeignete Verteilung der Gabel-Kombination über das Starterfeld, lässt sich entsprechend einer Priorisierung Punkt 1 oder 2 entschärfen. Werden die Kombinationen in absteigender Länge angeordnet (75 / 60 /45 / 15), so muss der aufgeholte Läufer in drei von vier Fällen die längere Variante selber laufen. Im vierten Fall wird er zumindest um eine Minute vom Nachläufer getrennt.
Ein weiterer Aspekt ist die mediale Verfolgbarkeit. Diese ist für die Dauer des forked looping gestört und wird erst an dessen Ende aufgelöst.

Analysen
Ich betrachte die Packfigures WOC 07 Long Final Men

GruppeErgebnis
Nordberg/Kovacsgetrennt
Mamleev/Bartakgetrennt
Stevenson/Duncanzusammen*
Stevenson/Pilbladgetrennt
Baader/Perstnevgetrennt
Dlabaja/Aadligetrennt
Khramov/Novikovneu (kurz)
Haldin/Gononneu (loop)
Gonon/Breitschädelneu (loop)
Perstnev/Kärnerneu (kurz)

*Duncan hatte in der ersten Gabel die kürzere Variante, in der zweiten die längere wie Stevenson. Pilblad hatte in der zweiten Gabel die kürzere Variante und wurde von Stevenson erst zum Ende der zweiten Loop-Basis wieder eingeholt. Duncan blieb offenbar im Schlepptau von Stevenson (teilweise ausserhalb der 15s)

Bis auf Stevenson/Duncan wurden alle Gruppen getrennt. Es kam zu einer stattlichen Zahl neuer Gruppen, von denen allerdings nur eine (Haldin/Gonon/Breitschädel) mindestens über den Loop Bestand hatte. Damit wurde v.a. die resultatsensitve Gruppe Nordberg/Kovacs getrennt und die Einflusszeiten der TopTen ist erfreulich tief. Im Durchschnitt lief ein Top Ten Läufer max.12.57% des Rennens mit einem einzelnen Konkurrenten. Dabei halten Nordberg (29.57%) und Stevenson (40.65%) die Spitzen.

Im Vergleich dazu die WOC 09 Long Final Men: Da läuft ein Top Ten Läufer im Schnitt maximal 35.4% des Rennens mit einem einzelnen anderen Läufer mit Haldin (0%) einerseits und Wingsted (77.7%) andererseits.

(WOC08: 16.1%, M: 1.66-41.06%; WOC06: 37.3% M: 2.29-63.29%; WOC05: 29.25%, M:0 - 61.98%)



Synopsis
Bei einer Trennmethode sollte es in erster Linie darum gehen, bestehende Gruppen zu trennen, stellen diese doch mit zeitlich zunehmendem Fortbestand einen wachsenden Unfairness-Faktor dar. Die Neubildung von Gruppen, die im Maximum für die Dauer des Loops bestehen, kann unter diesem Gesichtspunkt verkraftet werden.
Die Stärke der Methode besteht darin, dass sie nicht versucht vermeintlich ungleich starke Läufer (H-Groups) zu trennen, sondern davon ausgeht, dass die eine harmonierende Gruppe (E-Group) nur durch den temporären Einsatz eines zeitlichen Versatzes effektiv zu trennen ist (siehe Pilblad). Mit diesem Ansatz ist sie den zur Zeit gängigen Methoden (Schmetterling und Phi) überlegen.

Montag, 16. November 2009

Tomila 2009

Heute an der Tomila durfte ich zusammen mit einem Läufer aus meiner Kategorie bewundern, mit welcher Selbstverständlichkeit unsere Seniorenn die sperrgebiete unbeachtet gelassen haben und quer über die Wiesen gerannt sind, währen wir die Wege im Zick-Zack ausgelaufen sind.
Ich finde, vor allem im Seniorenalter sollte man als Vorbilder voraus gehen und solche Sperrgebiete beachten, auch wenn es vieleicht 20 Sekunden schneller ist, so ist es ja für alle gleich (sofern alle sich daran halten).
Als Organisator muss man sich ja schliesslich darauf verlassen können, dass diese Regeln eingehalten werden.
Ich finde nicht, dass man da noch speziell Leute aufbieten sollte, die das kontrollieren.
Oder ist das der Fortschritt unseres Sportes?

Florian Schneider im Forum von Swiss Orienteering

Auch ich habe einige OL-Läufer (HAM,H40,D18) gesehen, die durch Sperrgebiete verschiedener Art gelaufen sind (Zäune, schraffierte oder olive Gebiete). Ich will hier keine Namen nenne, auch weil ich nicht alle Läufer persönlich kennen, aber die, welche es betrifft wissen es hoffentlich genau.

Andreas Herzog im Forum von Swiss Orienteering

Samstag, 14. November 2009

Separating runners in Orienteering - Overview and review of methods

by Myrvold B.O., Kocbach J. & Spjelkavik H.
als .pdf
Dieses Paper bietet eine Übersicht und Einschätzung zu den heutzutage im Orientierungslauf eingesetzten Trennmethoden. Aufgrund meiner Arbeiten zur Klumpenbildung im Orientierungslauf wurde ich (o-zeugs) eingeladen im Entstehungsprozess als Mitglied der sog. Reference Group in den verschiedenen Stadien des Berichtes meine Perspektive einzubringen.
Meine Hauptpunkte (E-groups, Startintervalle) wurden schliesslich aufgenommen.

E-groups, Startintervalle, Organisatorische Massnahmen
Trennmethdoden scheitern vornehmlich an der falschen Vorstellung der unterschiedlich guten OL-LäuferInnen, die zu trennen seien (Spreu-Weizen-Ansatz). In den meisten Konstellationen, hat der eingeholte Läufer ausgiebig bewiesen, dass er auch allein annähernd so schnell und gut laufen kann, wie der, der ihn eingeholt hat. Auch erkennt er, dass er versuchen muss, die Trennmethode alleine so zu laufen, dass er auch nach dieser vom Sog der Nachläufers profitieren kann. Aufgrund der meist zu kurzen Startintervalle führen schon kleinere Fehler dazu, dass der nachstartende Läufer den Vorläufer sehen und zu diesem aufschliessen kann. So ist es nur in zweiter Linie die Aufgabe des Veranstalters allfällige Klumpungen aufzutrennen. In erster Linie sollte er die im Rahmen der Veranstaltung tollerierbaren Mittel zur Verhinderung von Klumpenbildung nützen.

Montag, 9. November 2009

Kleines Quiz: Klassiert oder DISQ.?

Hier vier Situationen aus meiner OL Praxis (Die Route gepunktet eingetragen). In allen vieren geht es um die Frage Klassiert oder DISQ.? Beurteilen Sie selber! - Meine Lösung finden Sie im Kommentar.

Situation 1

Swiss O Week 2009. Karte Gibel. Day 6

Situation 2


5.Nat.OL 2009. Karte Hürital

Situation 3


French Night Champs 2009. Karte Meyrargues

Situation 4


Schweizer Meisterschaft im Team OL. Karte Hasenberg

Donnerstag, 5. November 2009

Pflichtstrecken und Sperrgebiete


8. Abschnitt: Pflichtstrecken und Sperrgebiete
Art. 125 Pflichtstrecken
Pflichtstrecken sind Strecken, denen der Läufer während des Wettkampfes zwingend folgen muss.

Art. 126 Angabe und Markierung von Pflichtstrecken
1 Jede Pflichtstrecke ist in der Postenbeschreibung zu erwähnen. Pflichtstrecken nach dem Startpunkt sind auf der Laufkarte lagerichtig anzugeben (siehe Anhänge 2 und 3).
2 Jede Pflichtstrecke ist im Gelände gut sichtbar zu markieren; Anfang und Ende müssen für den Läufer eindeutig erkennbar sein.

Art. 127 Sperrgebiete
1 Vom Veranstalter bestimmte Sperrgebiete dürfen vom Läufer weder betreten noch gequert werden.
2 Naturschutzgebiete mit rechtsgültigem Betretungsverbot, bestellte Äcker, Wiesen mit hohem Gras und Gärten gelten immer als Sperrgebiete.
3 Gefahrengebiete wie Autobahnen und Bahngeleise sowie auf der Laufkarte als unpassierbar dargestellte Objekte gelten als Sperrgebiet, sofern der Veranstalter nicht ausdrücklich etwas anderes festlegt.


Art. 128 Angabe und Markierung von Sperrgebieten
1 Sperrgebiete im Laufgebiet sind auf allen Musterkarten anzugeben und auf der Laufkarte einzutragen (siehe Anhang 3).
2 Der Veranstalter hat durch geeignete Massnahmen (z.B. Hinweise in den Weisungen, Markierung im Gelände) dafür zu sorgen, dass die Sperrgebiete nicht betreten werden.

Art. 129 Verstösse
1 Wer von einer Pflichtstrecke abweicht oder ein Sperrgebiet missachtet, wird nicht klassiert oder disqualifiziert.
2 Wer dabei schwerwiegend gegen Gebote des Natur- und Umweltschutzes verstösst, wird auf jeden Fall disqualifiziert.

Wettkampfordung 2007 - Schweizer OL Verband

Kommentar: Ich bin dabei eine Studie für den Schweizer OL Verband aufzugleisen, dabei geht es um die Planung, Umsetzung und Effektivität von Massnahmen der Lauforganisation zur Leitung von OL LäuferInnen. Eine meiner Annahmen ist, dass die OL LäuferInnen gerade bezüglich der Regelungen zu Sperrgebieten nicht sattelfest sind. Hand aufs Herz: Hätten Sie das mit dem Acker, dem hohen Gras und den nicht-passierbaren Objekten gewusst?

Juristisches Doping

Zur CAS Verhandlung zum Fall Schumacher
In der Verhandlung ging es laut Lehner nicht in erster Linie um die Kardinalfrage: Hat Schumacher bei der Tour gedopt oder nicht. Die Schumacher-Seite kaprizierte sich als Hauptargument gegen die ausgesprochene Sperre auf die Tatsache, dass «ein nicht zugelassenes Analyse-Verfahren» Grundlage der AFLD-Strafe war. «Wenn das Reglement nicht eingehalten wird, dann hat er im juristischen Sinne nicht gedopt», behauptete Lehner.

Süddeutsche Zeitung vom 4.Nov.2009
Kommentar: Klöden hat also nicht gedopt, Ullrich hat nicht gedopt, keiner der Fuenteskunden (ausser Valverde und Basso) hat gedopt...