Mittwoch, 14. Dezember 2011

WM 1978 - Kongsberg, Norwegen

[Hullis WM Ordner Teil 3]
Kongsberg 15.-17.September 1978. Karte vom Einzelwettkampf und der Staffel. Die Staffel (3 Strecken bei den Damen, 4 bei den Herren) hatte mit den langen Bahnen und grossen Zeitabständen noch einen anderen Charakter als heutzutage. Trotzdem: Die Staffel wurde 1978 als Schritt Richtung Publikum, TV und Presse eingeführt (Dazu mehr hier).
Leider ist die Bahn des Einzelrennens nicht mehr nachzulaufen: Im Startteil wurde seither ein Einfamilienhaus-Quartier angelegt.

Der Organisator Kongsberg O Lag hat die WM 1978 sehr gut dokumentiert (Dokumentation WM 1978).
  • Wie 2012 gab es eine WM-Staffette im Vorfeld (Bergen-Kongsberg)
  • Kongsberg wurde erst ein Jahr vor der WM als Ausrichter festgelegt
  • Die Läufer wurden kollektiv ins Laufgelände transportiert
  • Beide Wettkämpfe wurden im TV übertragen
  • Die ersten Nationalteams trafen am 11.September ein. Ab dem 11.September gab es Trainingskarten. Am 12. wurde das Laufgebiet für das Einzelrennen bekannt gegeben. Verschiedene Nationalteams nahmen am Wochenende davor (9.-10.Sept. bei Drammen) an einem Wettkampf teil.
  • Alle Nationalteams wurden in einer Kaserne untergebracht. Es bestanden IOF-Regeln, dass nicht mehr als 4 Athleten in einem Zimmer untergebracht werden durften und dass Athleten und Teamverantwortliche nicht im selben Zimmer platziert werden durften.
  • Ein Tag vor dem Rennen wurde die Startliste per Los festgelegt.
  • Einzelrennen: Startintervall 3 Minuten. 4 Athleten pro Nation.
  • Das Durschnittsalter im Norwegischen Team Damen 22, Herren 25
  • Unser Dieter 'Lupo' Wolf
  • OL Väter ?: Dieter Hulliger, Ari Anjala, Willi Müller, Eystein Weltzien, Kjell Lauri, Lars Lönnkvist, Ivan Christensen, Vasil Shandurkov, Hanny Fries (-> Mathys)
  • Bahnleger: Morten Berglia 20 Jahre alt
  • Der Speaker zählte Titelverteidigerin Lisa Veijalainen den Countdown (wie bei Hanne Staff 1997). Sie verpasste schliesslich den Sieg um 1 Sekunde und 96 Hunderstel (??)

Einzellauf 15.September 1978
Karte Einzel
Abb.1. OL WM Norwegen Kongsberg 1978. Einzellauf der Damen und Herren. Die Karte 1:15'000 und 150dpi gibt es hier.

Resulate Einzel
Herren
  1. Egil Johansen 91:44
  2. Risto Nuuros 92:52
  3. Simo Nurminen 94:00
  4. Eystein Weltzien 94:24
  5. Olle Nåbo 96:51
  6. Jan Fjaerestad 97:21

Anne Berit Eid im Ziel WM 1978 Einzellauf der Damen.

Damen
  1. Anne Berit Eid 61:40
  2. Liisa Veijalainen 61:42
  3. Wenche Jacobsen 62:42
  4. Kristin Cullman 63:06
  5. Karin Rabe 65:10
  6. Outi Borgenström 66:06
Alle Resultate

Staffel 17.September 1978
Karten
Abb.2. OL WM Norwegen Kongsberg 1978. Staffel der Damen (3 Teilstrecken). Die Karte 1:15'000 und 150dpi gibt es hier.

Abb.3. OL WM Norwegen Kongsberg 1978. Staffel der Herren (4 Teilstrecken). Die Karte 1:15'000 und 150dpi gibt es hier.


Resultate Staffel
v.l.n.r. Egil Johansen, Svein Jacobsen, Eystein Weltzien, Jan Fjaerestad

Herren
  1. Norwegen [Fjaerestad, Jacobsen, Johansen, Weltzien] 3:55:33
  2. Schweden [Pettersson, Lönnkvist, Lauri, Nåbo] 4:04:05
  3. Finnland [Kujala, Karvonen, Nurminen, Nuuros] 4:16:27
  4. Schweiz [Wolf, Hulliger, Müller, Horisberger] 4:16:34
  5. Tschechoslowakei [Uher, Lenhart, Tichacek, Kacmarcik] 4:29:31
  6. Grossbritanien [Down, Peck, Haines, Hirst] 4:44:36

Damen
  1. Finnland [Borgenström, Ruoho, Veijalainen] 2:26:48
  2. Schweden [Moberg, Rabe, Cullman] 2:26:52
  3. Schweiz [Baumberger, Humbel, Fries]2:38:43
  4. Norwegen [Fjogstad, Jacobsen, Eid] 2:38:45
  5. Tschechoslowakei [Novakova, Keclikova, Kucharova] 2:39:18
  6. Grossbritanien [Parkin, McNeil, Ramsden] 2:50:46
Alle Resultate

Lage

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Donnerstag, 8. Dezember 2011

Warum ist AMRD kein Erfolg?

Abb.1: So liest ein 'Sprinter'.
Abb.2. Müdigkeit kostet 49'
Abb.3. Umlegen der Routenwahl kostet 20'
Abb.4. Step by Step lesen kostet 50'
Abb.5. In der Gruppe (retrospektiv) laufen kostet 41'


Flaues Echo
Zugegeben: Vor einem Jahr dachte ich, AMRD würde die technisch-mentale Arbeit im Orientierunglauf revolutionieren. Der grosse Durchbruch ist bislang ausgeblieben.
Intressant, aber eine Spielerei und nicht ergiebig.
Ich war dort einfach müde.
Zwei Athletenfeedbacks.

Ein paar Hypothesen dazu
a) Karte lesen macht man einfach. Es wird von Grund auf nicht reflektiert und thematisiert. Wie, wann und was jemand liest wird als gegeben und unverrückbar angesehen.+ AMRD berührt damit eine zu fundamentale Ebene.++
b) Es ist ungewöhnlich 'in Kartenkontakten zu denken' und mentale Konzepte fokussieren dem entsprechend nicht auf Timing und 'Ökonomie der Kartenkontakte'.+++
c) Spitzenläufer haben eigentlich keine Zeit für fundamentale Überlegungen. Zugleich sind ihre bestehenden Konzepte schon so erfolgreich, dass kein Handlungsbedarf vorherrscht.
d) Die Handhabung der Methode ist zu kompliziert und erfordert Know-How. Die Resultate der Methode werden als unzuverlässig angesehen.++++

Andere Erklärungsansätze? Mikee? Jan? Baptiste? Thierry?


Ein paar Bemerkungen dazu:
+ Betrachtet man die unterschiedlichen Lesemuster im Schweizer Nationalkader, so fällt auf, dass die 'Sprinter' Hubmann (Abb.1.) und M.Kyburz auch auf der Langdistanz kaum längere Kartenkontakte zeigen. Möglicherweise sind sie im Unterschied zu anderen gewohnt, 'The Big Picture' zu sehen und/oder sie können schnell an-und absetzen. Beides ist u.U. trainierbar.
++ Es fällt mir immer wieder auf, wie Trainingsformen immer nur das Orientieren an sich thematisieren. Als Beispiel ein Training von Pavlo Ushkvarok im Gyllbergen
+++ Ich vermute, dass St.Thierry da nahe dran ist. Hierzu ein Zitat von Matthias Müller:
Im Nachhinein gesehen, war ich am Start nicht richtig locker, ich wollte mit der Brechstange laufen, nahm mir nicht genug Zeit fürs Orientieren und machte dementsprechend viele Fehler. Bei 5 30s, bei 7 fast zwei Minuten und bei 9 nochmal Eine! So kam es, dass mich am neunten Posten Thierry, der spätere überlegene Sieger, einholte. Ich wollte natürlich dranbleiben und von seinem hohen Tempo profitieren! Lustigerweise hatte ich ab da nie das Gefühl, total überfordert zu sein. Weder physisch noch technisch musste ich je abreissen lassen und hatte immer alles im Griff.
++++ Siehe dazu die Arbeit von Hans Jørgen Kvåle og Kim André Sveen: Hjelpemidler for O-teknisk analyse

Montag, 5. Dezember 2011

Position Swiss Orienteering zur WOC in the Future

An der Präsidentenkonferenz 2011 habe ich den Verband gebeten seine Positionen in der internationalen Politik transparenter darzulegen. Möglicherweise auch deswegen erschien im Swiss Orienteering Magazine 12/2011 (S.3-5) ein längerer Artikel über die WOC in the Future. Ich fasse die Positionen von Swiss Orienteering und der Schweizer Athletenvereiniung O-Ring [u.a. für Jan & Eva :-)] hier zusammen.

Standpunkt Swiss Orienteering: Ende der Titelinflation
  1. Ein fünfter Final erhöht den Aufwand für eine WM, was die Gruppe potentieller Gastgeber weiter reduziert. Ein weiterer Titel heizt die schon bestehende Inflation der Titel weiter an.
  2. Diesem Trend zu entgegnen, schlägt Swiss Orienteering die Rückkehr zum Zweijahresturnus für OL Weltmeisterschaften vor.
  3. Nicht das Programm muss geändert werden. Im Vordergrund steht die Vermeidung verschiedentlich aufgetretener Mängel in der Organisation.

Zusätzlich zur Stellungsnahme von Swiss Orienteering vom 7.April 2011 hat das Schweizer Nationalkader eine eigene Stellungsnahme mit ähnlicher Stossrichtung eingereicht. Diese wurde aber nicht angenommen, da aus Sicht der IOF Projektgruppe nur Verbände eine Stellungsnahme platzieren durften.

Standpunkt O-Ring: Medienoptimierung statt -orientierung (D.Hubmann, R.Friederich)
  1. Der Prozess WOC in the Future ist für Athleten intransparent und ging an den Athleten vorbei (s.o.)
  2. Medienorientierung nicht um den Preis der Aufgabe des Kern* des Orientierungslaufes.(*Alleine in der Natur orientieren).
  3. Die mediale Aufbereitung von Natur-OL optimieren, statt eine weitere (unerprobte) Sprintdisziplin einführen
  4. First to Finish nur bei ausreichender ol-technischer Selektion

Samstag, 3. Dezember 2011

EM 1964 Einzellauf Damen & Herren

[Hullis WM Ordner Teil 2]
Les Brasssus, 26.September 1964. Die Europameisterschaften im Orientierunglauf wurden 1964 zum zweiten Mal durchgeführt, nachdem 1961 die IOF gegründet wurde und 1962 die erste EM in Löten, Norwegen, durchgeführt wurde. Diese zwei EM stellen die Vorläufer der ersten WM 1966 in Fiskars dar. Die EM 1964 bestand aus dem Einzellauf und zum ersten Mal war die Staffel offizelle Disziplin. Nach dem Übergang von EM zu WM (vorerst mit rein europäischer Beteiligung) wurde die EM bis ins Jahr 2000 ausgesetzt und wird seither im Zweijahresturnus ausgerichtet.
Am Startfeld EM 1962 fällt auf, dass pro Nation bis zu 6 Athleten antreten durften.

Bahnen Einzellauf Damen & Herren
Abb.1. Bahnen der Damen & Herren EM 1964. Die Karte 1:25000, 150dpi gibt es hier.

Resultate Einzel
Herren
  1. Erkki Kohvakka 102:42
  2. Alex Schwager 104:04
  3. Aimo Tepsell 106:33
  4. Pontus Carlsson 107:08
  5. Stig Berge 107:42
  6. Sven-Olof Asberg 110:37
Damen
  1. Margrit Thommen 67:59
  2. Ann-Marie Wallsten 71:55
  3. Ulla Lindkvist 73:11
  4. Eivor Steen-Olsson 75.03
  5. Sarolta Monspart 75:51
  6. Tuula Hovi 75:58
Quelle: orienteering.no

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