Montag, 26. März 2012

Gruppenbildung WOC 1997, Grimstad

Es war alles schon da: Die Gruppenbildung. Die H-Groups (z.B. Björlo mit Prokes, Nymalm, Skovlyst), die E-Groups auf dem Podest (Thoresen - Mårtensson). Die Mediengefälligkeit. Die schwache Reaktion der IOF und damit verbunden die jährliche Wiederkehr des Themas. Zugleich die trad. Kritik an Medienformaten. Ein Artikel aus dem OL Heft 3/1998; Autor: Thomas Scholl.

Bild Faksimile Artikel OL Heft 3/98 (Scan: Roger Vogel)

War die WM unfair?
TS. Das tschechische Team hat sich bei der Internationalen OL-Föderation über die letzte WM beschwert. Das klassische Rennen der Herren sei durch das kurze Startintervall entwertet worden.

Das Thema gab schon im Vorfeld der WM in Norwegen zu reden. Die Regeln sagen klar, dass das normale Startintervall für Läufe über die klassische Distanz drei Minuten sei. Die Veranstalter wünschten aber eine Verkürzung auf zwei Minuten, um das Rennen kürzer und atrraktiver zu machen. Eine private Fernsehstation wollte den Lauf direkt übertragen. Der IOF-Vorstand gab diesem Wunsch nach und bewilligte die Ausnahme.
Der TV-Sender gab seine Pläne dann auf und stellte seine Aktivitäten vor der WM ein. Da konnte oder wollte aber niemand mehr den Entscheid über das Startintervall rückgängig machen. die Folgen sind dank der elektronischen Postenkontrolle mit dem Emit-System (vormals Regnly-System) klar zu erkennen: Es kam zu zahlreichen Zusammenschlüssen von Läufern.

Der Schnellzug Mårtensson, Jörgensen, Thoresen
So war Jörgen Mårtenssson vom vierten Posten an mit Carsten Jörgensen zusammen, vom zwölften Posten an war auch Petter Thoresen dabei. Von da an liess sich der Schnellzug nicht mehr aufzuhalten. Später kam noch Allan Mogensen dazu. Diese vier Läufer belegten schliesslich die Ränge 2., 4., 1. und 13. Kjetil Björlo, Tomas Prokes und Sören Nymalm waren vom achten Posten beieinander und wurden 3., 5. und 11. Der wenig bekannte Australier Tom Qualye lief offenbar vom vierten Posten an gemeinsam mit Edgaras Voveris und Johan Ivarsson - Plätze 14., 12. und 7. Pech hatte der zuletzt gestartete Finne Timo Karpinnen: Bis zur Hälfte war er etwa gleich schnell wie Mårtensson, aber dann verlor er, allein laufend, gut fünf Minuten auf ihn und wurde nur 10.
Zum Teil profitierten schwächere Läufer vom Tramfahren mit stärkeren, zumm Teil bildeten sich Gruppen von gleich starken Läufern, die zwar nicht bewusst zusammenarbeiteten, aber sich gegenseitig zu Leistungen antrieben, die sie alleine kaum erbracht hätten. Auch darauf können die Zwischenzeiten Hinweise geben. Wer regelmässig als erster einer Gruppe stempelte, war wohl eher der Chef und leistet mehr Führungsarbeit als jener, welcher immer fünf Sekunden später kam. Wenn aber aus einer Gruppe einmal dieser und einmal jener Läufer zuerst am Posten war, trugen wohl alle zum Tempo bei. Das dürfte für Thoresen und Mårtensson zutreffen, von denen der eine sieben der andere sechsmal als erster stempelte.

Medien oder Fairness?
Im Grunde geht es um die Frage, wie grosse Konzessionen der OL-Sport an Zuschauer und Medien im Bezug auf Fairness machen soll. Der Unmut der tschechischen Läufer ist verständlich. Nach ihrer Meinung genügen die Kurzdistanz- und Park-Wettbewerbe diesem Zweck. Der klassische Lauf solle die Königsdisziplin des OL-Sports bleiben rein und fair. Der Final der WM97 sei kein Einezlrennen gewesen, sondern ein Wettkampf von Gruppen verschiedener Grösse. Zu diskutieren sei deshalb für die nächste WM sogar ein Startintervall von vier Minuten, mit nur 40 oder 50 Finalteilnehmern, statt 60 wie heute.
Die zuständige Kommission der IOF hat inzwischen beschlossen, das Startintervall solle in Zukunft an der WM über die klassische Distanz drei Minuten betragen. Das war allerdings schon vorher die Meinung der Techniker. Ober der IOF-Vorstand sich daran hält, ist eine andere Frage. Er allein ist für Ausnahmen zuständig. Solang die Gunst der Medien und Sponsoren das wichtigste Ziel im internationalen OL ist, kann man weitere Versuche in diese Richtung kaum ausschliessen.

Montag, 5. März 2012

Der Buechberg SZ ist grüner geworden.


Nachtrag 8.3.2012: Ganze Karten verlinkt

 Ein kleiner Essay zur Verwendung von OL Karten zur forsthistorischen Forschung.

1982
Vermutlich 1982 nahm ich am Galgener OL auf dem Buechberg Teil. Mein Vater übernahm die Anmeldung.

Abzeichnen musste ich aber selber (während der Laufzeit?).
Link Ganze Karte Buechberg 15K 1982
Und dem entsprechend war dann auch das Resultat. :-P

Ich erinnere mich nicht mehr an den Wettkampf. Knapp dreissig Jahre später bin ich letzten Frühling wieder am Galgener OL gelaufen...

2012 resp. 2007
In diesem Projekt möchte ich dem subjektiven Eindruck, die Wälder im Schweizer Mitteland werden immer grüner am Beispiel des Buechberg zwichen Nuolen und Tuggen SZ nachgehen. Die OL Gruppe Galgenen hat mir für diesen Zweck die aktuelle Karte (Stand 2007) zur Verfügung gestellt.

Vorgehen
Ich digitalisiere die Behinderungstufen der Karte 1982 in OCAD und bringe so die Flächen der Behinderungsstufen in eine vergleichbare Form. Damit stellt sich auch gleich die Frage, ob sich die Kartensignaturen von damals und heute 1:1 vergleichen lassen.


Natürlich nicht. Die Beurteilung von Behinderung passt sich einem veränderten Normal-Wert an, trotzdem gibt auch gewisse Konstanten, was als leichte und was als starke Behinderung wahrgenomen wird. Die grösste Veränderung zu 1982 ist, dass wir heute die dritte Stufe in der Schweiz nicht mehr als 'durchkämpfbar' klassieren. [Siehe dazu meinen Artikel zu Jungling].

Dann sind da die neuen Signaturen der Laufbehinderung durch Bodenbewuchs. 1982 gab es eine Signatur für Kahlschlag und diese wurde kombiniert mit einer Behinderungsstufe.
Dies ist Indiz dafür, dass mit den damaligen drei Stufen auch die reine Laufbehinderung berücksichtigt wurde. Zum Vergleich der beiden Karten wurden die jeweiligen Laufbehinderungs-Signaturen den entsprechenden allgemeinen Grünsignaturen zugeschlagen.

Resultate

-> Insgesamt keine massive Zunahme (3% zusätzlich grün kartierte Fläche)
-> Rückgang der Behinderungsstufe 1 trotz zusätzlicher Signatur.
-> Zunahme der Behinderungstufen 2 & 3 um 7%.

Karte
Link Ganze Karte Buechberg 10K Gründynamik 1982-2007

Schluss
Der Buechberg ist nicht quantitativ, sondern v.a. qualitativ grüner geworden (Zunahme von Stufe 2). Eine Faktoren dabei könnten sein:
  1. Das Aufkommen der Brombere im Schweizer Mitteland (Stickstoffeintrag durch Luftverschmutzung (hier: >40kg/ha/a; Tierhaltung insb. Güllen 60-90%, Verbrennungsabgase 40%-10%; Brombeere gleich Störungszeiger ->Windwurf -> Lothar)
  2. Milde Winter
  3. Veränderte Waldnutzung (Verschiebung der Waldökonomie -> naturnahe Verjüngung -> Verzicht auf das Sensen von Kahlschlägen -> Verzicht auf Asträumung -> vermehrt kleinere Kahlschläge, Reduktion des Holzvorrates im Mitteland -> Mehr Licht in der Krautschicht
  4. Evtl. auch Neophyten (armenische Brombere)